
An einem Berg im Kanton Wallis reißt ein langer Spalt im Berghang jeden Tag ein Stück weiter auf. Die bange Frage der Anwohner des Dorfes Chippis: Was passiert, wenn Hunderttausende Kubikmeter Erde ins Tal rutschen und der Fluss Navizence plötzlich gestaut wird?
Gut 1600 Einwohner blicken mit Sorge nach oben in den Berg. Droht ihnen das gleiche Schicksal wie den Bewohnern des Alpendorfes Blatten, die seit einem gigantischen Erdrutsch im Mai 2025 fast ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben?
Der Spalt im Berg ist 250 Meter lang
Die Bruchlinie in der Ferienregion Val d’Anniviers unweit von Sierre/Siders hat sich im Herbst 2025 aufgetan. Oberhalb des Dorfes Chippis zieht sich der Riss inzwischen über 250 Meter. Er ist zwischen 80 Zentimeter und einem Meter breit. Und er wächst weiter – jeden Tag zwischen zwei und vier Millimeter.
Hangriss im Wallis wächst täglich
Der Riss im Unterwallis entstand infolge zweier Hochwasserereignisse in den Jahren 2018 und 2024. Seitdem arbeitet der Berg. Quer zum Hang klafft nun ein riesiger Spalt. Fachleute beobachten jede Bewegung genau. Es wurden Überwachungsinstrumente installiert, um die Bewegungen kontinuierlich zu messen.
Dabei handelt es sich um Längenmessgeräte, einen Laserscanner und eine Webcam. Eine Drohne überfliegt den Ort jede Woche. Die großen Bäume am Hang wurden vorsorglich gefällt.
Gefahr für Navizence und Chippis
Aus Sicherheitsgründen wurde die Bevölkerung gebeten, sich dem Gefahrengebiet in den Alpen nicht zu nähern. Das „Katastrophenszenario“ wäre, dass die gesamte instabile Masse auf einmal abrutscht. Zum jetzigen Zeitpunkt gehen die Geologen jedoch davon aus, dass dies in mehreren Etappen geschehen wird.
Ein Einsturz könnte den Bergfluss Navizence, der unterhalb der Verwerfung fließt, verstopfen. Die Bildung eines temporären Sees würde insbesondere bei der Schneeschmelze zu erheblichen Hochwassergefahren führen.
Evakuierung für Chippis wird vorbereitet
Das könnte für das Dorf Chippis in der Ebene sowie das Stromnetz des Val d’Anniviers gefährlich werden. Eine Notstromleitung soll zu Beginn des Sommers bereitstehen. Die Behörden bereiten vorsichtshalber eine Evakuierung vor. Der Riss wird täglich überwacht.
Blatten im Mai 2025 verschüttet
Wie dramatisch ein solcher Absturz enden kann, zeigte sich im Mai 2025 im Lötschental im Kanton Wallis. Damals waren Gestein und ein Gletscher abgebrochen und ins Tal gedonnert.
Das Dorf Blatten wurde größtenteils verschüttet, die restlichen Häuser gingen in dem See, der sich wegen eines gestauten Flusses bildete, unter. Die Einwohner waren vorher alle in Sicherheit gebracht worden.
In Blatten waren nach Schätzungen rund neun Millionen Kubikmeter Fels, Geröll und Eis abgestürzt. Inzwischen wird das Dorf wieder aufgebaut.




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