
Der „offiziellen“ Chronologie zufolge wurde der erste praxistaugliche Personenaufzug 1852 von Elisha Otis erfunden, nachdem dieser eine Sicherheitsbremse entwickelt hatte, die ein Abstürzen der Plattform bei einem Riss des Tragseils verhinderte. Von Guy Anderson
Otis führte seine Erfindung 1854 öffentlich vor, bevor 1857 der erste kommerzielle Aufzug im E. V. Haughwout Building in New York installiert wurde. Diese frühen Aufzüge wurden nicht elektrisch betrieben, sondern nutzten Dampfkraft, um Fahrgäste zwischen verschiedenen Stockwerken zu befördern.
Nach und nach kamen hydraulische Aufzüge hinzu, bis Werner von Siemens im Jahr 1880 einen der ersten praxistauglichen elektrischen Aufzüge vorstellte – ein System, das sich schließlich als Standard durchsetzte und weltweit Verbreitung fand.
Diese Abfolge erscheint jedoch plausibel, solange man sie nicht mit jenen bemerkenswerten Bauwerken vergleicht, die bereits existierten, bevor besagte Erfindungen angeblich den Alltag revolutionierten.
Der Palace of Westminster umfasst etwa vier Hauptgeschosse sowie Hunderte von Räumen, weitläufige Korridore und zahlreiche Türme, die sich über eine riesige Fläche erstrecken. Auch das erweiterte Kapitol der Vereinigten Staaten verfügte bereits über mehrere genutzte Etagen, lange bevor Personenaufzüge „angeblich“ flächendeckend verfügbar wurden.
Grandhotels, Kaufhäuser, Wohnhäuser und öffentliche Einrichtungen in ganz Europa und Amerika erreichten bereits beeindruckende Höhen, noch ehe elektrische Aufzüge angeblich die Architektur für immer veränderten.
Die gängige Erklärung setzt voraus, dass Politiker, wohlhabende Bewohner, Hotelgäste, Dienstboten, Reinigungskräfte, Lieferanten und unzählige Besucher tagtäglich diese Treppen hinaufstiegen.
Dies erscheint jedoch zunehmend schwer vorstellbar, wenn man die schiere Anzahl der Menschen bedenkt, die sich täglich in vielen dieser Gebäude aufhielten.
In den am stärksten frequentierten öffentlichen Gebäuden gingen täglich Hunderte, bisweilen Tausende von Besuchern ein und aus, was während der gesamten Arbeitszeit für einen ständigen Personenverkehr zwischen den zahlreichen Stockwerken sorgte.
Darüber hinaus erzielen Penthäuser die höchsten Preise, da sie Privatsphäre, Prestige, erhöhte Sicherheit und einen spektakulären Panoramablick auf die umliegende Landschaft bieten.
Da sich die menschliche Natur in den letzten zwei Jahrhunderten kaum gewandelt hat, stellt sich durchaus die Frage, warum wohlhabende Bewohner bereit waren, unzählige Stufen zu erklimmen, um eben diese Vorzüge zu genießen.
Auch die Treppen werfen interessante Fragen auf, wenn man ihre Proportionen mit der Kapazität dieser gewaltigen Gebäude vergleicht.
Viele historische Treppen wirken überraschend schmal, bedenkt man die Anzahl der Menschen, die sie im Laufe eines Arbeitstages genutzt haben dürften. Große Menschenmengen, die sich fortwährend zwischen verschiedenen genutzten Etagen bewegten, hätten zu Stoßzeiten zu massivem Gedränge geführt und die Nutzer Verletzungsgefahren – oder Schlimmerem – ausgesetzt.
Der nachträgliche Einbau von Aufzügen in bereits fertiggestellte Gebäude hätte für Bauherren und Architekten eine enorme technische Herausforderung dargestellt. Dampfbetriebene Aufzüge erforderten umfangreiche Maschinenanlagen, Kessel, Zusatzausrüstung und ausreichend Platz für das gesamte Betriebssystem.
Hydraulische Aufzüge waren auf Pumpen, Zylinder und komplexe mechanische Komponenten angewiesen, die sich nicht ohne Weiteres in bestehenden Wänden verbergen ließen.
Zudem erfordert die Schaffung von Aufzugsschächten in fertiggestellten Mauerwerksbauten das Durchbrechen von dickem Gestein, aufwendigen Innenausbauten, tragenden Decken und genutzten Räumen – ein gewaltiges Unterfangen und keine bloße, einfache Nachrüstung.
Daher vermute ich, dass zumindest einige dieser monumentalen Gebäude bereits über Aufzugssysteme verfügten, noch bevor die gängige Geschichtsschreibung deren Existenz anerkennt.
Zugemauerte Schächte, blockierte Öffnungen, unerklärliche Hohlräume und ungewöhnliche architektonische Details werden häufig als mögliche Überreste einer früheren Technologie angeführt, die später verborgen, entfernt oder umgenutzt wurde.
Vielleicht liegt das eigentliche Rätsel nicht darin, wer den Aufzug erfunden hat, sondern ob diese Technologie bereits lange existierte, bevor sich schließlich jemand den Ruhm für ihre Einführung zuschrieb.
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