
Am Hochstaufen bei Bad Reichenhall hat die Erde gebebt. In der Gegend kommt es besonders häufig zu Beben – das hat laut bayerischen Forschern auch etwas mit sommerlichem Regen zu tun.
Gegen 22.30 Uhr am vergangenen Sonntag registrierten Messinstrumente ein Beben der Stärke 1,7 bis 1,8 – mit einem Herd in weniger als drei Kilometern Tiefe. Rund ein Dutzend Bürgerinnen und Bürger meldeten das Ereignis anschließend beim Erdbebendienst Bayern.
Gebäude stürzten nicht ein – dafür war die Stärke bei Weitem zu gering. Dennoch reicht die Energie aus, um Fensterscheiben zum Klirren zu bringen und Böden vibrieren zu lassen. Das Epizentrum verorten die Forscher am südlichen Ortsrand von Bad Reichenhall.
Wer das Beben wahrnahm, erlebte es laut Joachim Wassermann, Leiter der Seismologie-Abteilung am Geophysikalischen Observatorium der Ludwig-Maximilians-Universität München, als „dumpfen, starken Knall“ – nicht als rollendes Grollen wie bei einem Gewitter.
Erdbeben sind in Bayern keine Seltenheit. Allein 2025 verzeichnete der Erdbebendienst knapp 1.800 sogenannte Lokalbeben – inklusive Vor- und Nachbeben. Im laufenden Jahr 2026 sind es bisher rund 700. Die Ursache liegt in der permanenten Bewegung der Erdplatten: Aufgestaute Energie entlädt sich immer wieder – ähnlich wie ein Seil, das an einem Punkt reißt.
Damit ein Beben für Menschen spürbar wird, braucht es entweder eine besonders hohe Stärke oder – wie im aktuellen Fall – einen Erdbebenherd nahe der Oberfläche.
Die wohl schwerste dokumentierte Erdbebenserie in Bayern ereignete sich laut Wassermann zwischen etwa 1914 und 1920 bei Eichstätt im Altmühltal. Mehrere Beben erreichten dabei eine Stärke von rund 5 und verursachten erhebliche Gebäudeschäden. Aus jüngerer Zeit ist ein Beben der Stärke 3,4 aus dem April 2008 bekannt – aufgezeichnet am Thumsee, ebenfalls in der Nähe von Bad Reichenhall.
Zum Vergleich: In Japan, wo starke Erdbeben zum Alltag gehören, werden regelmäßig Werte von mehr als 5 gemessen. Da die Richterskala logarithmisch aufgebaut ist, entspricht ein Beben der Stärke 5 einer rund 2.000-fach höheren Energiefreisetzung als das Sonntagsbeben in der Reichenhaller Region.
Beben seien im Raum Bad Reichenhall „relativ häufig“, so Wassermann. Der Grund liegt in der Geologie des Hochstaufens: Der Berg bewegt sich langsam talwärts. Die Schwerkraft zieht ihn kontinuierlich in Richtung Tal, während tektonische Kräfte ihn gleichzeitig anheben und verformen.
In der Gegend ereignen sich häufig sogenannte Schwarmbeben, also Serien von Erdbeben. Am häufigsten treten sie laut Wassermann zwischen Mai und Juli auf, den regenreichsten Monaten.
Wenn Regen den Untergrund durchdringt und sättigt, gerät die Erde stärker in Bewegung. In den vergangenen 20 Jahren wurden rund um den Hochstaufen etwa 7.000 Beben registriert.
Ein vergleichbarer Schwerpunkt für Schwarmbeben existiert im Vogtland, das Teile Frankens einschließt. Starkregen befeuere die Beben am Hochstaufen dagegen eher nicht, erklärt Wassermann – weil er zu schnell abfließt, ohne den Boden nachhaltig zu durchfeuchten.




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