
Pfeiler 43 steht in Göbekli Tepe im Südosten der Türkei, an einer Stätte, die vor mehr als 11.000 Jahren errichtet wurde. Ein Geier. Ein Skorpion. Schlangen und eine kopflose menschliche Gestalt.
Zwei Ingenieure aus Edinburgh betrachteten das Motiv und sahen darin eine Sternenkarte; sie berechneten die Konstellation des Nachthimmels rückwärts, bis sie ein Datum erhielten: 10.950 v. Chr., plus/minus 250 Jahre. Etwa zu der Zeit, als ein Komet auf die Erde eingeschlagen sein soll.
Der Stein ist echt. Niemand bestreitet das Alter der Fundstätte. Sie entstand Jahrtausende vor der Erfindung der Schrift oder des Rades.
Worüber gestritten wird, ist die Interpretation.
Martin Sweatman und Dimitrios Tsikritsis ordneten den Geier dem Sternbild Schütze und den Skorpion dem Sternbild Skorpion zu; die Scheibe über dem Flügel des Geiers interpretierten sie als die Sonne, die an einem bestimmten Punkt direkt über dem Betrachter steht.
Die Archäologen, die Göbekli Tepe tatsächlich ausgraben, veröffentlichten eine Erwiderung – und die fiel kühl aus. Ihr schärfstes Argument ist rechnerischer Natur: Das aus der Himmelskonstellation abgeleitete Datum liegt 700 bis 1.000 Jahre vor dem ältesten Radiokarbondatum, das für „Anlage D“ – jenen Bereich, in dem der Pfeiler steht – ermittelt wurde.
Zudem wiesen sie darauf hin, dass an der Fundstätte mehr als 60 verzierte T-förmige Pfeiler bekannt sind; sich einen davon herauszugreifen und isoliert zu entschlüsseln, sei eine eigenwillige Art, eine Sprache zu lesen.
Dann ist da noch der Vogel. Andrew Collins und Rodney Hale sehen in ihm das Sternbild Schwan (Cygnus), während Graham Hancock den Schützen favorisiert. Ändert man die Deutung des Vogels, verändert sich das gesamte Himmelsbild – und damit auch das Datum.
Ist Pfeiler 43 die Erinnerung an ein Ereignis, bei dem etwas vom Himmel fiel, oder projizieren Menschen ihre eigenen Sternbilder in die Tierdarstellungen einer längst vergangenen Kultur?
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