
Geheimdienste untersuchten die Fähigkeit des menschlichen Geistes, Dinge aus der Ferne wahrzunehmen. Einige der Ergebnisse überraschten selbst die Wissenschaftler.
Amerikanische Geheimdienste investierten Millionen von Dollar in die Erforschung von Personen, die angeblich in der Lage waren, entfernte Orte, geheime militärische Einrichtungen oder Ereignisse allein durch ihren Geist zu beschreiben. Die Forschungsarbeiten erstreckten sich über mehr als zwanzig Jahre. Ähnliche Fähigkeiten wurden auch von den Sowjets und der tschechoslowakischen Armee untersucht.
Alles begann mit der Frage, ob das menschliche Bewusstsein Informationen direkt – also ohne die Hilfe der fünf Sinne – erlangen könne.
Infolgedessen ging die amerikanische CIA 1972 eine Zusammenarbeit mit dem Stanford Research Institute ein. Die Forscher Harold Puthoff und Russell Targ begannen mit Experimenten zu dem, was als „Remote Viewing“ (Fernwahrnehmung) bezeichnet wird.
Die Teilnehmer der Experimente wurden gebeten, Orte zu beschreiben, die ihnen zuvor nicht bekannt waren. Sie hielten Details fest, etwa die Form von Gebäuden, Landschaften, Gewässern oder verschiedenen Gegenständen. Die Forscher verglichen diese Schilderungen anschließend mit den tatsächlichen Zielobjekten.
Einige der Ergebnisse wiesen erstaunliche Übereinstimmungen auf.
Ein Mann, der geheime militärische Einrichtungen beschrieb
Einer der bekanntesten Teilnehmer des amerikanischen Programms war Ingo Swann. Er trug zur Entwicklung von Protokollen bei, die ein systematisches Training der Fernwahrnehmung ermöglichen sollten.
Eine weitere bemerkenswerte Persönlichkeit war Joseph McMoneagle, ein ehemaliges Mitglied des US-Militärgeheimdienstes.
McMoneagle nahm an Experimenten teil, bei denen er entfernte militärische Einrichtungen beschreiben sollte. Einer der bekanntesten Fälle betraf eine sowjetische Werft, auf der er – laut veröffentlichten Berichten – den Bau eines außergewöhnlich großen U-Boots beschrieb.
Dieser Fall entwickelte sich zu einem der häufig zitierten Erfolge des Programms. Die Details beruhen jedoch größtenteils auf den Schilderungen der Beteiligten sowie auf rückblickenden Beschreibungen des Einsatzes.
Unterdessen richtete das US-Militär eine spezialisierte Einheit ein, die sich professionell mit „Remote Viewing“ (Fernwahrnehmung) befasste. Ihre Tätigkeit umfasste eine Reihe aufeinanderfolgender Projekte: GRILL FLAME, CENTER LANE, SUN STREAK und STARGATE.
Die Teilnehmer wurden mit konkreten nachrichtendienstlichen Aufgaben betraut. Ihr Ziel war es, Informationen über militärische Anlagen, gesuchte Personen oder andere geheime Ziele zu beschaffen.
Ergebnisse, die unter Wissenschaftlern für Kontroversen sorgten
Im Jahr 1995 beschloss die US-Regierung, das gesamte Programm einer Evaluierung zu unterziehen.
Nach der Überprüfung der experimentellen Ergebnisse kam die Statistikerin Jessica Utts zu dem Schluss, dass die Laborexperimente statistisch signifikante Abweichungen vom Zufall aufwiesen. Ihrer Einschätzung nach verdienten die Ergebnisse Aufmerksamkeit, da sie möglicherweise auf eine ungewöhnliche Methode der Informationsgewinnung hindeuteten.
Der Psychologe Ray Hyman wies in seiner Bewertung derselben Forschungsarbeiten auf methodische Mängel hin und lehnte die Schlussfolgerung ab, dass die Experimente die Existenz paranormaler Fähigkeiten belegt hätten.
Der Abschlussbericht kam zudem zu dem Ergebnis, dass der praktische nachrichtendienstliche Nutzen des Programms zu unzuverlässig sei.
Folglich endete das STARGATE-Programm im Jahr 1995. Es hinterließ Tausende von Seiten freigegebener Dokumente, experimenteller Aufzeichnungen sowie Berichte über tatsächliche Einsätze.
Die Tschechoslowakei betrieb eigene geheime Forschungen.
Auch in der Tschechoslowakei wurde zu den außergewöhnlichen Fähigkeiten der menschlichen Psyche geforscht.
Bereits Anfang der 1970er Jahre untersuchte die Staatssicherheit (StB) die potenziellen Anwendungsmöglichkeiten der Psychotronik. Unter dem Codenamen „MEFISTO“ befasste sie sich insbesondere mit Geräten des Erfinders Robert Pavlita – Apparaturen, die angeblich in der Lage waren, eine spezielle Energieform zu speichern und zu übertragen.
Im Jahr 1978 wurde an der Tschechischen Technischen Universität (ČVUT) unter der Leitung des Physikers František Kahuda das „Psychoenergetische Labor“ eingerichtet. Kahuda entwickelte die Theorie der „Mentonen“ – hypothetische Teilchen, die seiner Ansicht nach den Einfluss des menschlichen Geistes vermittelten.
Eine weitere bedeutende Persönlichkeit der tschechoslowakischen Forschung war der Psychotroniker Zdeněk Rejdák. Seine Forschungsgruppe konzentrierte sich auf Telepathie, außersinnliche Wahrnehmung und andere Fähigkeiten, die es – so die Annahme – ermöglichen sollten, Informationen jenseits der gewöhnlichen sinnlichen Wahrnehmung zu erlangen.
Die tschechoslowakische Forschung erregte auch die Aufmerksamkeit amerikanischer Geheimdienste.
Freigegebene US-Analysen aus den 1970er Jahren befassten sich gezielt mit dem Bereich der Psychotronik in der Tschechoslowakei.
Das tschechoslowakische Militär versuchte, Psychotronik gegen den Feind einzusetzen.
Im September 1985 ordnete Verteidigungsminister Milan Václavík eine Prüfung der potenziellen militärischen Einsatzmöglichkeiten der Psychotronik an. Das Militär war daran interessiert, verborgene Objekte, unterirdische Minen und militärische Anlagen aufzuspüren sowie mithilfe von „Sensitiven“ Informationen über den Gegner zu gewinnen.
Erhaltene Dokumente aus dem Oktober 1985 deuten darauf hin, dass die militärische Führung die Einrichtung einer spezialisierten Forschungsstätte in Erwägung zog.
Gleichzeitig wertete Militärpersonal Erkenntnisse sowjetischer und ostdeutscher Geheimdienste aus.
Tschechoslowakische Archive bestätigen somit, dass die „Psychotronik“ sogar in die Planung militärischer Forschung einfloss. Die überlieferten Unterlagen geben jedoch weitaus weniger Aufschluss über konkrete Erfolge bei der Beschaffung geheimer Informationen, als dies bei amerikanischen Dokumenten der Fall ist.
Wozu ist das menschliche Bewusstsein eigentlich fähig?
Forscher auf dem Gebiet des „Remote Viewing“ (Fernwahrnehmung) gingen von der Annahme aus, dass der menschliche Geist Informationen über weit entfernte Objekte gewinnen könne – ganz ohne direkten sensorischen Kontakt.
Einige Teilnehmer der Experimente beschrieben ihre Erlebnisse als spontane Bilder, Empfindungen und räumliche Wahrnehmungen. Sie gaben an, dass Informationen besonders leicht in Momenten tiefer Konzentration auftauchten – dann, wenn sie ihre eigene Vorstellungskraft und ihr bewusstes logisches Denken unterdrückten.
Amerikanische Experimente lieferten statistische Ergebnisse, die von manchen Experten als Stütze für diese Hypothese gewertet wurden. Geheimdienstliche Operationen erforderten jedoch ein Maß an Präzision und Reproduzierbarkeit, das im Rahmen der abschließenden Evaluierung des Programms nicht nachgewiesen werden konnte.
Die Geschichte des „Remote Viewing“ hat somit zwei bemerkenswerte Hinterlassenschaften hinterlassen. Zum einen sind dies die dokumentierten Experimente und Fälle, die von den Beteiligten als erfolgreich eingestuft wurden. Zum anderen zeigt sich, dass Sicherheitsbehörden in den USA, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei dem Potenzial des menschlichen Bewusstseins allesamt große Aufmerksamkeit widmeten.
Die Frage, ob das Bewusstsein unabhängig von der räumlichen Distanz Informationen erlangen kann, bleibt ein offener Forschungsgegenstand. Inzwischen freigegebene Archivbestände offenbaren, wie ernsthaft dieses Thema während des Kalten Krieges von Militärs und Geheimdiensten untersucht wurde.














Schreibe einen Kommentar