
Baba Wanga werden für 2026 Katastrophen, ein Weltkrieg und Kontakt mit Außerirdischen zugeschrieben. Verlässliche Aufzeichnungen dazu existieren nicht.
Die Weltlage liefert reichlich Material, alte Prophezeiungen passend zu machen. Nach den jüngsten Erdbeben in Südamerika kursiert deshalb erneut der Name Baba Wanga. Die 1911 als Wangelija Pandewa Dimitrowa geborene Bulgarin wurde als Seherin und Heilerin berühmt und starb 1996.
Mit zwölf Jahren soll sie ihr Augenlicht verloren haben, nachdem sie in einen heftigen Sturm geraten war. Drei Jahrzehnte nach ihrem Tod werden ihre angeblichen Vorhersagen in sozialen Medien weitergetragen.
Anhängerinnen und Anhänger schreiben Baba Wanga Prophezeiungen zu den Anschlägen vom 11. September, dem Tsunami von 2004, Tschernobyl, dem Tod von Prinzessin Diana, dem Brexit und Barack Obamas Wahl zum US-Präsidenten zu.
Für 2026 soll sie ein Jahr voller Naturkatastrophen angekündigt haben. Als vermeintliche Bestätigung gelten Beben in Venezuela und Kolumbien, Brände in Chile, europäische Hitzewellen, Überschwemmungen in Asien sowie Stürme in den USA.
Orte und Daten nennt die zugeschriebene Vorhersage allerdings nicht. Weil Erdbeben, Feuer, Hochwasser und Stürme jedes Jahr auftreten, lässt sich eine solche Aussage nachträglich an zahlreiche Ereignisse anlegen.
Eine weitere Behauptung lautet, Maschinen würden 2026 massenhaft Menschen verdrängen. Das passt zur Debatte über Künstliche Intelligenz, doch die Technologie wird seit Jahrzehnten entwickelt. Wann und mit welchen Worten die Bulgarin diese Aussage getroffen haben soll, ist in keinem verlässlichen Dokument festgehalten.
Raumschiff im November und Dritter Weltkrieg bleiben Behauptungen
Spektakulärer wird die Erzählung mit einem angeblichen Kontakt zu einer außerirdischen Zivilisation. Im November 2026 soll ein „riesiges Raumschiff“ in die Atmosphäre eindringen. Anhaltspunkte dafür gibt es nicht. Unerklärte Himmelsobjekte lassen sich in der Regel als Drohnen, Flugzeuge, Ballone oder Satelliten identifizieren, wie blue News berichtet.
Auch ein Dritter Weltkrieg soll für 2026 angekündigt worden sein, ausgelöst durch einen chinesischen Angriff auf Taiwan und eine direkte Konfrontation zwischen Russland und den USA.
Bis zum 13. Oktober ist beides nicht eingetreten: Taiwan ist faktisch autonom geblieben, Washington und Moskau führen keinen Krieg gegeneinander. Reale Spannungen reichen dennoch aus, um eine vage Prophezeiung immer wieder aufzuladen.
Wladimir Putin soll der zugeschriebenen Vorhersage zufolge noch vor Jahresende seine Macht verlieren. Die Chronologie wirft eine naheliegende Frage auf: Baba Wanga starb im August 1996, Putin wurde Ende 1999 Präsident und war zu ihren Lebzeiten weithin unbekannt.
Mündliche Überlieferung macht Baba Wanga beliebig anschlussfähig
Ähnlich wackelig ist die Behauptung zu Barack Obama. In Wangas Todesjahr wurde er erst in den Senat von Illinois gewählt. Dennoch soll sie ihn als „letzten“ US-Präsidenten bezeichnet haben. Nach Obama folgten Donald Trump, Joe Biden und erneut Trump.
Eine schriftliche, beglaubigte Sammlung ihrer Aussagen existiert nicht. Die vermeintlichen Vorhersagen wurden mündlich überliefert und im Lauf der Jahre neu interpretiert. Dadurch können sie mit wechselnden Themen wie Krieg, Klimawandel oder Künstlicher Intelligenz verbunden werden, ohne konkrete Angaben erfüllen zu müssen.
Prophezeiungen ohne Originalwortlaut sind weniger Blick in die Zukunft als Projektionsfläche für die Ängste der Gegenwart.

















Schreibe einen Kommentar