Neue Berechnungen eines Supercomputers zeigen, dass eine wichtige warme Atlantik-Strömung erste Zeichen des Kollapses aufweist. Das Resultat könnte verheerend sein, warnen Forscher.
Ein neues Klimamodell sagt voraus, dass der natürlicheKlimawandel schon bald zum Zusammenbruch bestimmter Meeresströmungen im Atlantik führen könnte. Niederländische Forscher haben in diesem Zusammenhang die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Atlantische Meridionale Umwälzströmung (AMOC) untersucht.
Die Ergebnisse der Modellierung wurden in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht . Demnach steht die AMOC bereits kurz vor einem „verheerenden Kipppunkt“, was alarmierende Auswirkungen auf den Anstieg des Meeresspiegels und das globale Wetter zur Folge hätte. In einigen Regionen der Erde könnten die Temperaturen drastisch ansteigen – in anderen dagegen deutlich abfallen.
Mit Hilfe komplexer Computersysteme haben die Forscher eine Art Frühwarnsignal entwickelt, um den Zusammenbruch der AMOC zu erkennen. Die Anzeichen dafür, dass es früher oder später dazu kommen wird, seien bereits vorhanden, heißt es in dem Aufsatz der Forscher.
AMOC ist ein komplexes System von Meeresströmungen im Atlantik, zu dem auch der Golfstrom gehört – ein riesiges Förderband, das warmes Wasser aus den Tropen in den Nordatlantik transportiert. Dort kühlt das Wasser ab, wird salziger und sinkt tief in den Ozean, bevor es sich weiter nach Süden ausbreitet. Auf diese Weise werden Wärme und Nährstoffe in verschiedene Regionen der Erde getragen – was dazu beiträgt, dass das Klima in weiten Teilen der nördlichen Hemisphäre relativ mild bleibt.
Mit Hilfe komplexer Computersysteme haben die Forscher eine Art Frühwarnsignal entwickelt, um den Zusammenbruch der AMOC zu erkennen. Die Anzeichen dafür, dass es früher oder später dazu kommen wird, seien bereits vorhanden, heißt es in dem Aufsatz der Forscher.
AMOC ist ein komplexes System von Meeresströmungen im Atlantik, zu dem auch der Golfstrom gehört – ein riesiges Förderband, das warmes Wasser aus den Tropen in den Nordatlantik transportiert. Dort kühlt das Wasser ab, wird salziger und sinkt tief in den Ozean, bevor es sich weiter nach Süden ausbreitet. Auf diese Weise werden Wärme und Nährstoffe in verschiedene Regionen der Erde getragen – was dazu beiträgt, dass das Klima in weiten Teilen der nördlichen Hemisphäre relativ mild bleibt.
„Schlechte Nachrichten für die Menschheit“
Seit Jahrzehnten warnen Wissenschaftler davor, dass die Stabilität dieser Zirkulation durch den natürlichen Klimawandel gefährdet ist: Die Erwärmung des Ozeans sowie die der Zustrom von Süßwasser durch die Eisschmelze stören das Wärme- und Salzgleichgewicht. Das könnte die Strömungen verlangsamen oder gar zum Erliegen bringen.
Wann dieser Fall eintritt, darüber gibt das Modell keine Auskunft. Die AMOC wird erst seit 2004 kontinuierlich beobachtet. „Aber wir können zumindest sagen, dass wir uns auf den Kipppunkt des Klimawandels zubewegen“, sagt Renè van Westen, Meeres- und Atmosphärenforscher an der Universität Utrecht in den Niederlanden und Hauptautor des Papers. Vor mehr als 12.000 Jahren kam es schon einmal zu einem Stillstand. Der Grund war eine rasante Gletscherschmelze. Klar ist: Würde das noch einmal passieren, wären die Folgen fatal.
Van Westen bezeichnete das Klimamodell gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN als „echten Durchbruch“. Mit Hilfe eines Supercomputers simulierten die Forscher einen erhöhten Süßwasserzufluss in die AMOC, wie er in der Realität durch Eisschmelze, Regenfälle und Flussabflüsse wahrscheinlich ist. Dadurch sank der Salzgehalt des Ozeans und die Strömung wurde schwächer, bevor die AMOC in der Simulation abrupt zusammenbrach. Es ist das erste Mal, dass ein Kollaps mit solch komplexen Modellen nachgewiesen werden konnte.
„Schlechte Nachrichten für das Klimasystem und für die Menschheit“, fassen die Forscher die Ergebnisse zusammen.
Kühlschrank Europa
In der Realität könnte ein Zusammenbruch der AMOC zu gravierenden Temperaturunterschieden in Teilen Europas führen. So ist es möglich, dass die Temperaturen innerhalb eines Jahrhunderts um bis zu 30 Grad Celsius sinken.
Dies würde binnen ein bis zwei Jahrzehnten zu einem völlig anderen Klima führen. Europa würde zum Kühlschrank. Realistische Anpassungsmaßnahmen an derart schnelle Temperaturveränderungen gäbe es nicht, schreiben die Autoren.
Auf der Südhalbkugel würden die Temperaturen aber zugleich ansteigen, im Amazonasgebiet könnten sich die Regen- und Trockenzeiten umkehren, was sich negativ auf das Ökosystem auswirken würde. Ebenso könnte der Meeresspiegel um etwa einen Meter ansteigen, da das Abschmelzen des antarktischen Eisschildes durch den Temperaturanstieg beschleunigt werden könnte.
Kollaps schon 2025?
Wann dies tatsächlich der Fall sein wird, lässt das Modell allerdings offen. Dazu sind laut van Westen weitere Untersuchungen notwendig. In der Simulation wurde beispielsweise nicht berücksichtigt, wie sich die zunehmende Verschmutzung der Erde auf den Klimawandel auswirkt. Eine Studie aus dem Jahr 2021 kommt zu dem Schluss, dass die AMOC heute schwächer ist als jemals zuvor in den letzten 1000 Jahren. Ein umstrittener wissenschaftlicher Aufsatz zweier dänischer Forscher aus dem letzten Jahr ging sogar davon aus, dass der Kollaps möglicherweise schon 2025 eintreten könnte.
Jeffrey Kargel, leitender Wissenschaftler am Planetary Science Institute in Arizona, bezweifelt dies: Seiner Meinung nach wird die Theorie eines möglicherweise bevorstehenden Zusammenbruchs der AMOC „etwas umstritten bleiben, bis wir in einem Jahr wissen, dass es tatsächlich passiert“. Kargel vergleicht die Stabilität der Zirkulation mit den „wilden Schwankungen an der Börse, die einem großen Crash vorausgehen“. Für ihn sei es nahezu unmöglich festzustellen, welche Veränderungen umkehrbar und welche die Vorboten einer Katastrophe sind.
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