
Das Mittelmeer gilt vielen als harmlos. Doch Experten warnen: Die Gefahr durch Tsunamis ist real – auch an der französischen Küste.
Nach Angaben der Unesco wird die Wahrscheinlichkeit eines Tsunamis mit einer Wellenhöhe von mindestens einem Meter in den kommenden Jahrzehnten für das Mittelmeer als sehr hoch eingeschätzt. Historische Ereignisse und neuere Untersuchungen zeigen zudem, dass auch die französische Mittelmeerküste bereits von solchen Wellen getroffen wurde.
Tsunamis entstehen meist durch Seebeben, untermeerische Hangrutschungen oder Vulkanausbrüche. Das Wort „Flutwelle“ führt in die Irre. Es ist keine einzelne Wasserwand, die heranrollt.
Oft folgen mehrere Wellen hintereinander. Experten betonen zudem: Nicht zwingend ist die erste Welle die stärkste. Besonders gefährlich sind die extrem starken Strömungen. Sie überfluten Häfen, beschädigen Uferanlagen und richten in bebauten Küstenzonen schwere Schäden an.
Côte d’Azur war schon von Tsunamis betroffen
Für die Côte d’Azur sind mehrere Fälle dokumentiert. Ein besonders bekanntes Beispiel ist Nizza am 16. Oktober 1979. Ein untermeerischer Hangrutsch im Zusammenhang mit Bauarbeiten am Flughafen- und Hafenbereich von Nizza löste einen Tsunami aus. Acht Menschen kamen ums Leben.
Auch das Erdbeben von Boumerdès in Algerien am 21. Mai 2003 blieb an der französischen Mittelmeerküste nicht ohne Folgen. Eine Feldstudie beschreibt in acht Yachthäfen an der Côte d’Azur deutliche Meeresspiegelschwankungen, starke Strömungen und Sachschäden. Die Auswirkungen trafen dort zeitverzögert nach dem Beben ein.
Historische Berichte zum Seebeben im Ligurischen Meer von 1887 deuten ebenfalls auf spürbare Tsunami-Effekte an Teilen der französischen Riviera hin. Zuvor berichtete phys.org.
Lebensgefahr! Jede Minute zählt
Gerade im Mittelmeer bleibt im Ernstfall oft wenig Zeit. Fachleute unterscheiden zwischen weiter entfernten Quellen und lokalen Ereignissen in Küstennähe.
Dort können nur wenige Minuten für eine Reaktion bleiben. Genau darin liegt das Problem klassischer Warnketten: Ein technisch funktionierendes Warnsystem hilft vor allem bei weiter entfernten Auslösern. Bei sehr nahen Quellen stößt es an Grenzen. Frankreich verfügt nach Angaben des Umweltministeriums seit 2012 über ein nationales Tsunami-Warnsystem.
Es ist in das von der Unesco koordinierte regionale Warnnetz eingebunden. Warnungen können über die Behörden und Systeme wie FR-Alert an die Bevölkerung weitergegeben werden.




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