
Eine gewaltige Staubwolke aus der Sahara verdunkelt am Wochenende den Himmel über den Mittelmeerländern. Danach trübt sie auch Deutschlands Himmel und belastet die Luft.
Derzeit zieht eine massive Wolke aus Saharastaub von Nordafrika in Richtung Europa. Besonders stark betroffen ist zunächst Spanien mit den Balearen, allen voran Mallorca. Dort erreicht die Staubkonzentration am Wochenende ihren Höhepunkt, was die Luftqualität spürbar verschlechtert und die Sicht beeinträchtigt. Auch weitere Teile des westlichen Mittelmeerraums geraten unter den Einfluss der Staubwolke, bevor sich diese in Richtung Mitteleuropa verlagert.
Sandstum schickt Saharawolke nach Europa
Ausgelöst wird der aktuelle Saharastaub-Ausbruch durch einen kräftigen Sandsturm in Nordafrika. Dabei werden große Mengen feiner Wüstenpartikel aufgewirbelt und in höhere Luftschichten transportiert. In diesen Höhen werden die Partikel von einer starken Strömung nach Norden geführt – über das Mittelmeer hinweg bis nach Südeuropa und weiter nach Mitteleuropa.
Auf diesem Weg gelangt der Staub zunächst nach Spanien und über die Balearen, anschließend breitet er sich weiter in Richtung Sardinien, Korsika und Sizilien aus. In diesen Regionen ist am Wochenende mit erhöhter Feinstaubbelastung zu rechnen, was vor allem für Menschen mit bestehenden Atemwegserkrankungen problematisch werden kann.
Blutregen auf Mallorca möglich
Kommt es im Einflussbereich des Saharastaubs gleichzeitig zu Regen, kann ein besonderes Wetterphänomen auftreten: sogenannter Blutregen. Dabei mischen sich die Staubpartikel mit den Regentropfen, sodass der Niederschlag eine bräunlich-rötliche Färbung annimmt und nach dem Abtrocknen deutlich sichtbare, rötliche Ablagerungen auf Autos, Fassaden, Fenstern und Straßen zurückbleiben.
Gerade auf Mallorca und in Teilen des westlichen Mittelmeerraums ist dieses Szenario am Wochenende möglich, wenn sich feuchte Luft und der Staubschleier überlagern.
Wann der Saharastaub Deutschland erreicht
Im weiteren Verlauf verschiebt sich die Staubwolke nach Nordosten. Am Sonntag erreicht der Saharastaub neben Italien auch Teile des Balkans sowie Deutschland. Hier kann der Himmel milchig oder leicht gelblich wirken, obwohl keine dichten Wolken vorhanden sind.
Gleichzeitig leidet die Luftqualität durch die Feinstaubbelastung. Besonders im Süden Deutschlands, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, sind erhöhte Konzentrationen des Wüstenstaubs in der Atmosphäre möglich. Sichtbare Auswirkungen können ein gedämpfter Sonnenschein, mattere Farben am Himmel und Staubablagerungen auf Fahrzeugen und Außenflächen sein.
Dicke Luft belastet Gesundheit
Menschen, die unter Asthma, COPD oder anderen chronischen Atemwegserkrankungen leiden, sowie Personen, die generell empfindlich auf Luftverschmutzung reagieren, sollten die Entwicklung des Saharastaubs in den kommenden Tagen im Blick behalten.
Es kann sinnvoll sein, an Tagen mit hoher Staubkonzentration körperliche Anstrengungen im Freien zu reduzieren, auf intensive Outdoor-Sportarten zu verzichten und längere Aufenthalte im Freien zu vermeiden. Auch wer keine Vorerkrankungen hat, kann den Staub in Form von gereizten Schleimhäuten oder trockenen Augen spüren.
Saharastaub beeinflusst auch Solarstrom
Zuletzt hat im März ein außergewöhnlich starker Saharastaub-Ausbruch weite Teile Europas erfasst und die Solarstromerzeugung deutlich gedämpft. Satellitendaten zeigen, dass die Staubwolken unter anderem über Spanien, Frankreich, das Vereinigte Königreich, die Alpen und bis nach Ungarn zogen – dort sank die Leistung von Photovoltaikanlagen an stark staubigen Tagen auf nur noch rund 46 Prozent, während sie an schwach staubigen Tagen bei 75 Prozent oder mehr lag.
Der Saharastaub reduziert die Sonneneinstrahlung sowohl direkt, indem er Licht in der Atmosphäre blockiert und streut, als auch indirekt, weil er die Bildung heller Cirruswolken fördert, die zusätzliche Strahlung reflektieren. Zudem können sich Staubpartikel auf Solarmodulen ablagern und die Leistung über Tage bis Wochen mindern, bis Regen oder Reinigung die Oberflächen säubern. Forschende beobachten, dass solche winterlichen Saharastaub-Ereignisse in Europa tendenziell häufiger und intensiver auftreten, was die Planung und Prognose von Solarstrom zunehmend beeinflusst.
Auszug aus einem Dokument des EU-Parlements (EPRS_ATA(2021)656339_EN):
Was wäre, wenn wir den Planeten so gestalten könnten, dass er im Kampf gegen den Klimawandel hilft?
Geoengineering umfasst eine Reihe von Techniken unterschiedlicher Komplexität, Risiken und Kosten. In der Politik dreht sich die Debatte fast ausschließlich um „Solar-Geoengineering“. Dieser Begriff beschreibt Methoden zur Kühlung des Planeten, indem ein Teil der Sonnenenergie zurück ins Weltall reflektiert oder die Menge der von der Erde ausgehenden Sonnenstrahlung erhöht wird.
Zirruswolken haben bekanntermaßen eine wärmende Wirkung auf die Erde. Die Einbringung von Saharastaub in die Atmosphäre würde die Bildung von Zirruswolken verhindern und die globalen Temperaturen senken. Die stratosphärische Aerosolinjektion erzeugt einen künstlichen Sonnenschutz durch das Einbringen reflektierender Partikel in die Stratosphäre.
Ihr Funktionsprinzip basiert auf natürlichen Phänomenen. Der Ausbruch des Mount Pinatubo im Jahr 1991 schleuderte rund 15 Millionen Tonnen Schwefeldioxid in die Stratosphäre; in den darauffolgenden zwei Jahren sanken die globalen Temperaturen um etwa 1 °C. Solar-Geoengineering wäre kostengünstig, und Wissenschaftler sind sich seines Potenzials einig.
Ohne Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen wird sich die CO₂-Konzentration bis 2060 voraussichtlich verdoppeln. Theoretisch könnte die Beseitigung aller Zirruswolken den Anstieg der CO₂-Konzentration ausgleichen; ebenso die Verwendung stratosphärischer Partikel, um 2 % der einfallenden Sonnenstrahlung zu reflektieren.
Mehr über Wettermanipulation und Experimente lesen Sie in den Büchern „DUMBs 1“ und „DUMBs 2“ und „Antarktis: Hinter der Eiswand„




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