Forscher entdecken gigantischen Ozean im Erdinneren

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Stellen Sie sich vor, die Erde ist nicht nur der sinnbildliche „blaue Planet“ – sondern birgt auch in ihrem Erdinneren einen gigantischen Ozean. Forscher haben Hinweise darauf gefunden, dass sich tatsächlich hunderte Kilometer unter unseren Füßen riesige Mengen an Wasser befinden könnten.

So viel, dass sie die Wassermassen aller Weltmeere bei Weitem übersteigen. Diese überraschende Entdeckung verändert unser Verständnis von der Erde und ihrer Geschichte grundlegend.

Eine neue Forschung des Guangzhou-Instituts für Geochemie in China legt nahe, dass der untere Erdmantel enorme Wassermengen speichern kann. Diese sind aber nicht freischwimmend, sondern fest im Kristallgitter von Gesteinsmineralien gebunden. Veröffentlicht wurde die Studie am 11. Dezember 2025 im renommierten Fachjournal Science.

Das untersuchende Team um die chinesische Geochemikerin Dr. Wenhua Lu nutzte moderne Hochdruckexperimente, um Bedingungen tief in der Erde zu simulieren.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Wasservorräte schon seit der Frühzeit des Planeten im Inneren existieren könnten – und bis heute eine zentrale, lange übersehene Rolle spielen.

Wasser im Inneren der Erde?

Auf den ersten Blick erscheint unsere Erde als blauer Planet, dessen Wasser sich vor allem an der Oberfläche sammelt. Wie „GEO“ berichtet, deuten die neuen Forschungsergebnisse jedoch darauf hin, dass ein erheblicher Teil dieses Wassers seit der Frühzeit des Planeten tief im Inneren gespeichert sein könnte.

Gemeint ist der untere Erdmantel, mehrere hundert bis tausend Kilometer unter der Erdoberfläche – ein Bereich, der bislang nur indirekt erforscht werden kann.

Das vermutete Wasser liegt dabei nicht in flüssiger Form vor. Unter den extremen Druck- und Temperaturbedingungen des Erdmantels kann Wasser nicht frei existieren, sondern wird in die Kristallstrukturen bestimmter Mineralien eingebaut.

Der Begriff „Ozean“ beschreibt in diesem Zusammenhang weniger eine Form als vielmehr die Dimension: Modellrechnungen zufolge könnte der frühe Magmaozean zwischen einer und rund zwölf „Ozeanmassen“ Wasser umfasst haben – ein Teil davon könnte dauerhaft im Erdinneren verblieben sein.

Die Schlüsselrolle eines Minerals

Eine zentrale Rolle spielt dabei Bridgmanit, ein Magnesium-Silikat und zugleich das häufigste Mineral im unteren Erdmantel. Es macht dort rund 80 Prozent des Gesteinsvolumens aus. Seine Kristallstruktur ist in der Lage, Wasser strukturell im Gestein zu binden und über sehr lange geologische Zeiträume zu speichern.

Bei den Hochdruckexperimenten des Forschungsteams zeigt sich, dass Bridgmanit deutlich mehr Wasser aufnehmen kann, als bisher angenommen.

Die Ergebnisse liefern ein neues Bild vom Wasserhaushalt der Erde: Rund 62 Prozent des im festen Erdmantel gebundenen Wassers könnten demnach im unteren Mantel gespeichert sein – deutlich mehr, als frühere Modelle angenommen hatten.

Ein Blick in die Frühzeit des Planeten

Die Bedeutung dieser Ergebnisse reicht bis in die Entstehungsphase der Erde zurück. In seiner Frühzeit war der Planet über lange Zeit von einem globalen Magmaozean geprägt.

Gewaltige Einschläge aus dem jungen Sonnensystem heizten den Erdmantel immer wieder auf. Erst als sich das Gestein allmählich verfestigte, entschied sich, welche Stoffe im Inneren eingeschlossen wurden und welche an die Oberfläche gelangten – so auch das Wasser.

Die neue Studie legt nahe, dass der tiefe Erdmantel schon seit dieser frühen Phase große Wassermengen speichern konnte – und dies bis heute tut.

Damit rückt ein bislang weitgehend unbeachteter Teil des globalen Wasserkreislaufs in den Fokus der Forschung. Das Wasser im Erdinneren könnte Einfluss auf vulkanische Aktivität, die Bewegung der Erdplatten und möglicherweise auch auf die Entstehung der Ozeane an der Oberfläche gehabt haben.

Obwohl noch einige Fragen offenbleiben, zeigen die Ergebnisse der Studie, wie sehr das Wasser im Erdinneren unser Bild vom blauen Planeten, seiner Geschichte und möglicherweise sogar seiner Bewohnbarkeit beeinflusst hat.

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