
Kühles, winterliches Wetter in Mitteleuropa – während auf der spanischen Kanareninsel Teneriffa die Sonne scheint bei frühlingshaften T-Shirt-Temperaturen. Kein Wunder, dass es in diesen Februartagen viele Feriengäste aus dem deutschsprachigen Raum auf das Inselparadies zieht, das vor Westafrika im Atlantik liegt.
Doch viele Besucher aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz wissen nicht, dass sie ihren Urlaub auf einem immer noch aktiven Vulkan verbringen. Gerade erst wieder haben die Geologen, die den Untergrund der Insel mit Messgeräten überwachen, auffällige Signale aus dem Erdinneren empfangen.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der Teide, mit 3715 Metern der höchste Berg Spaniens. Unter ihm registrierten die Messstationen vor Kurzem eine ungewöhnliche kontinuierliche seismische Vibration – rund 90 Minuten lang. So lange hat der Berg seit Beginn der modernen Überwachung noch nie vibriert.
Gleichzeitig wurden seit 7. Februar mehr als 260 kleine Erdbeben gezählt – und zwar im Bereich der Caldera Las Cañadas. Das ist ein riesiger, rund 16 Kilometer breiter Vulkankessel im Zentrum der Insel, der vor etwa 200.000 Jahren durch gewaltige Ausbrüche entstand. In dieser Senke erhebt sich heute der Teide.
Die aktuellen Beben ereigneten sich in acht bis zwölf Kilometern Tiefe, waren allerdings für die Menschen an der Erdoberfläche nicht spürbar.
Das Nationale Geografische Institut (IGN) sah sich trotzdem veranlasst, die Bevölkerung zu beruhigen. IGN-Direktor Itahiza Domínguez erklärte, es bestehe keine Gefahr eines unmittelbar bevorstehenden Ausbruchs. Das Magma steige derzeit nicht in Richtung Oberfläche auf, die vulkanische Aktivität bleibe stabil in größerer Tiefe.
„Das ist kein Vorläufersignal einer Eruption, wie wir sie auf La Palma erlebt haben“, sagte Domínguez. Gemeint ist der Vulkanausbruch auf der Kanareninsel La Palma im Jahr 2021. Dort öffnete sich am 19. September, nach Tagen zunehmender Erdbeben, eine Spalte im Vulkangebirge Cumbre Vieja.
Der Ausbruch dauerte 85 Tage. Mehr als 7000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, über 1000 Wohngebäude wurden zerstört, der wirtschaftliche Schaden ging in die Milliarden. Menschen kamen nicht ums Leben.
Das Kanarische Vulkaninstitut Involcan sieht für Teneriffa kein größeres Risiko auf kurze oder mittlere Sicht. Die gemessenen Signale hängen nach Einschätzung der Experten mit Druckveränderungen und der Bewegung heißer Gase sowie Flüssigkeiten im Untergrund zusammen.
Tief unter der Insel verteilen sich Wasserdampf, Kohlendioxid und geschmolzenes Gestein. Wenn sich dort der Druck verändert, geraten Gase und das Magma in Schwingungen und erzeugen so Vibrationen, die von den Messstationen registriert werden. Solche Prozesse gelten in aktiven Vulkansystemen als normal.
Sie zeigen, dass das Innere der Insel in Bewegung ist. Dies bedeutet aber nicht automatisch, dass ein Ausbruch bevorsteht. Teneriffas Inselpräsidentin Rosa Dávila bemühte sich ebenfalls, die Bewohner und Feriengäste zu beruhigen und verwies darauf, dass die geologische Lage unter Kontrolle sei. „Wahrscheinlich ist der Teide mit der Insel Teneriffa eines der am besten überwachten Vulkansysteme der Welt.“
Nach dem Vulkanausbruch auf der 130 Kilometer entfernten Nachbarinsel La Palma wurden auf Teneriffa Notfallpläne überarbeitet, Evakuierungsszenarien getestet und groß angelegte Zivilschutzübungen durchgeführt. Die Geologen installierten zudem zusätzliche Messstationen auf Teneriffa. Die Botschaft lautet: Wir müssen vorbereitet sein – aber ohne Alarmstimmung.
In den vergangenen 600 Jahren wurden auf Teneriffa sechs Eruptionen dokumentiert, zuletzt 1909 im Nordwesten der Insel. Alle 100 bis 200 Jahre gab es einen Ausbruch. Irgendwann, räumen die Experten ein, wird es also auch auf Teneriffa wieder so weit sein.
Seit 2016 messen die Forscher einen erhöhten Kohlendioxid-Ausstoß im Kraterbereich des Teide. Zudem wurde festgestellt, dass sich die Insel seit einigen Jahren langsam hebt – bisher um rund zwei Zentimeter. Doch solche Prozesse können Jahrzehnte andauern, ohne dass es zu einem Ausbruch kommt.
Für die rund 7,5 Millionen Besucher, die Teneriffa jährlich zählt – vor allem aus Großbritannien und dem deutschsprachigen Raum – ändert sich derzeit nichts. Sie können die Wanderungen im Teide-Nationalpark und die Sonnenuntergänge am Atlantik genießen: Der Alltag läuft weiter.
Die jüngsten Messungen sind vor allem eines – eine Erinnerung, dass der Teide auf Teneriffa nicht nur ein Fotomotiv, sondern ein aktiver Vulkan ist.



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