Auch wenn unser Abend- und Morgenstern die Venus unsere direkte Nachbarin ist, ist sie doch so ganz anders. Sie hat weder einen Mond noch Plattentektonik, sie hat keinen Ozean, kaum Einschlagskrater und sie rotiert andersherum als die übrigen sieben Planeten unseres Sonnensystems.
Keine Frage, mit der Venus stimmt etwas nicht und sie hat ein Geheimnis, dem offenbar bisher kein Wissenschaftler auf die Spur kommen konnte, auch wenn es eine Menge wilder Theorien gibt.
Wenn es nach dem Fachbuchautor Martin Heinrich geht, wurde der geheimnisvolle Planet vor vielleicht mehr als 13.000 Jahren von seinem ursprünglichen Platz „verschoben“, um auf Crash-Kurs mit Jupiter zu gehen, so jedenfalls schreibt es Heinrich in seinem Buch Die Venus Katastrophe. Ein in der Tat verrücktes Experiment, das nach Meinung des Autors unter der Regie einer Gruppe experimentierfreudiger Aliens stand.
Der Grund war nach Meinung Heinrichs, dass die Venus in den Jupiter stürzen sollte, um sie als zweite Sonne zu zünden. Der Plan ging schief, beide Planeten berührten nur einander, weil nach Auffassung Heinrichs die Masse beider Planeten für eine ordentliche Kollision nicht ausgereicht hat. Martin Heinrich glaubt, dass der große rote Fleck auf Jupiter so ein Art Studentenschmiss des Crashs ist.
Heinrich geht in seinem Werk davon aus, dass die Venus erst durch dieses Ereignis in unmittelbarer Nähe zu uns um die Sonne zu kreist, weil diese exakt kreisrunde Bahn laut Heinrich niemals auf natürlichem Weg hätte entstehen können. Auch die atypische Rotation zu den anderen Planeten ließe sich nach Ansicht des Autors durch diese Theorie erklären.
Obwohl es sich bei diesem Ereignis lediglich um eine Berührung gehandelt hat, hatte sie katastrophale Auswirkungen für beide Planeten, vor allem aber hatte sie sehr viele Gesteinstrümmer im Gepäck, die noch heute als Asteroiden durch das Universum geistern. Heinrich:
„Ganze Teile der schützenden Gesteinskruste der Venus sind vermutlich bei dem Crash angesprengt worden. Das kann auch der Grund für die Temperaturen dieses Planeten sein.“
In der Sagenwelt soll die Venus aus dem Haupte des Jupiters entsprungen sein. Nach Ansicht von Martin Heinrich habe man diese Worte bisher lediglich als Symbol der Götterwelt gedeutet, für die Wissenschaft hatten sie indes nie eine Bedeutung – und das bis heute nicht.
Das aber könnte sich vielleicht bald ändern. Denn viele Wissenschaftler gehen nach Ansicht von Martin Heinrich mittlerweile von der Vermutung aus, dass in vielen dieser Mythen und Legenden auch ein Funke Wahrheit stecken könnte.
Entstand die Venus durch einen kosmischen Unfall?
Das die Venus möglicherweise das Ergebnis eines kosmischen Unfalls ist, davon geht auch Huw Davies von der Cardiff University in Wales aus. Davies vermutet im Fachmagazin Earth and Planetary Science Letters, dass die Venus selbst das Ergebnis einer Kollision zwischen zwei mehr oder weniger gleichgroßen Himmelskörpern sein könnte.
Davies glaubt, dass diese beiden unbekannten Himmelskörper vor der Kollision einmal die Sonne in Umlaufbahnen zwischen Merkur und Erde umkreist haben – genau dort, wo sich heute die Venus befindet. Diese Theorie ist freilich nicht neu – allerdings hinterlässt auch sie mehr Fragen als Antworten.
Die wichtigste Frage in diesem Zusammenhang lautet dann wohl, warum bei der vermuteten Kollision kein Mond entstanden ist, bislang sind Planetologen immer von der Vermutung ausgegangen, dass aus der Kollisionen zweier Planeten ein Mond hervorgeht.
Davies geht von der Vermutung aus, dass wenn zwei in etwa identische Himmelskörper frontal aufeinanderprallen kein Mondmaterial in den Weltraum geschleudert werden könne, das sich zu einem Trabanten formen könnte.
Allerdings liefert Davies Theorie eine mögliche Antwort auf die Frage, warum die Venus anders rotiert als die übrigen Planeten. Logisch erklärbar ist das nämlich nicht, wenn wir weiter davon ausgehen, dass alle Planeten in unserem Sonnensystem einmal von derselben protoplanetaren Scheibe entstanden sind.
Auch die Frage, warum die Atmosphäre der Venus zu 96 Prozent aus Kohlendioxid besteht, ließe sich mit der Kollisionstheorie einigermaßen erklären, denn durch die bei einer Kollision entstandene Hitze wäre das Gestein geschmolzen und hätte das in ihm gespeicherte Kohlendioxid freigesetzt. Das könnte logischer Weise zu einem Treibhauseffekt geführt haben, den wir heute auf der Venus beobachten können.
Davis ist aber nicht der einzige Forscher der von so einer abenteuerlichen Theorien ausgeht. Schon Immanuel Velikovsky vermutet in seinem Werk Welten im Zusammenstoß, dass die Venus in der Tat eine schwere Geburt war.
Velikovsky schreibt, dass die Venus in Wahrheit ein Komet ist, der vor 3.500 Jahren vom Jupiter ausgestoßen wurde, dann ist sie wild durch unser Sonnensystem vagabundiert, hat auf ihrer Reise mehrmals folgenreich die Erde gestreift, bis sie sich schließlich auf ihrer jetzigen Bahn beruhigt hat.
Wäre die Venus auf ihrer alten Bahn geblieben, wäre sie für immer bis zum Jupiter extrem elliptisch verlaufen, das hätte nach Ansicht von Martin Heinrich eine ständige Gefahr für die Erde bedeutet.
Deshalb ist der Autor davon überzeugt, dass dieses Ereignis keinen natürlichen Ursprung hatte, dass da von außen eingegriffen wurde, denn eine natürliche Kollision mit dem Jupiter wäre so nicht möglich gewesen – also kommt seiner Meinung nach nur eine außerirdische Intelligenz in Frage, die möglicherweise darauf bedacht war, unsere Erde zu schützen. Allerdings bleibt Heinrich seinen Lesern die Antwort auf die Frage schuldig, wie die das bewerkstelligt haben.
Geheimnisvoller Gasbogen
Die Wissenschaft beschäftigt sich bis heute nur am Rande mit all diesen Fragen, denn in der Tat liefert die Venus noch viel mehr offene Fragen. Da sind zum Beispiel die seltsamen Muster in den vermeintlich einförmigen Wolken, die auf der Venus zu 90 Prozent durch Schwefelsäure gebildet werden. Niemand kann sich bis heute einen Reim auf die Muster machen.
Außerdem haben Forscher in den Daten der japanischen Venussonde Akatsuki ein Wolkenmuster entdeckt, das im Infrarot- und UV-Licht einen gigantischen Bogen sichtbar werden lässt.
Wie Tetsuya Fukuhara von der Rikkyo Universität in Tokyo berichtet, reicht diese Struktur vom Nordpol über den Äquator bis weit in den Südpol. In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass der Bogen eine Länge von mehr als 10.000 Kilometer hat.
Weitere Messungen haben ergeben, dass sich in den oberen Wolkenschichten des Bogens ungewöhnlich warme Gase befinden. Die Sonde beobachtete das bogenförmige Wolkengebilde, das trotz starker Winde bewegungslos blieb, über einen Zeitraum von vier Tagen. Nach sechs Wochen war die Struktur plötzlich nicht mehr da. Fukuhara:
„Die bogenförmige Struktur blieb trotz dieser atmosphärischen Superrotation über mehrere Tage relativ fest an einer geographischen Position stehen.“
Im Rahmen einer Studie unter der Leitung von Professor Jane Greaves von der britischen Universität Cardiff, wurden 2017 mit dem Clerk Maxwell Teleskop erste Spuren von Phosphin auf der Venus entdeckt, was nach Meinung von Greaves durchaus ein Hinweis auf außerirdisches Leben sein könnte.
Bereits zwei Jahre später wurden die Studien mit einem Teil der ALMA-Antennenanordnung der Europäischen Südsternwarte ESO in der Atacama Wüste durchgeführt, die das Ergebnis bestätigten.
Auf der Erde wird Phosphin in höherer Konzentration unter anderem durch die Anwesenheit bestimmter Arten von Mikroben produziert. Allerdings sind die Wissenschaftler, nachdem sie alle anderen möglichen Ursachen für die Bildung von Phosphin ausschließen konnten, zu dem Ergebnis gelangt, dass die plausibelste Erklärung das Vorhandensein von lebenden Organismen ist, die Phosphat in Verbindung mit Wasserstoff verwenden, um es in dieses Gas umzuwandeln.
Ein weiterer wichtiger Faktor, der die mögliche Entwicklung von mikrobiellem Leben begünstigt, ist nach Meinung der Forscher die Temperatur in den oberen Atmosphärenschichten der Venus. Meistens liegt die Temperatur bei hohen Wolken bei 30°C.
Allerdings ist die Venus nicht der einzige Planet in unserem Sonnensystem, auf dem Phosphin nachgewiesen wurde. Auf dem Saturn konnten Wissenschaftler schon in den 1970er Jahren das Gas nachweisen.
Bis heute hinterlassen die acht Planeten, Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Uranus und Neptun, mehr Fragen als Antworten. Jeder Einzelne ist ein kleines Wunderwerk für sich. Merkur, Venus, Erde und Mars sind der Sonne am nächsten und entwickelten sich etwa zeitgleich – doch nach dem offiziellen Stand der Wissenschaft scheint nur auf einem der acht Gesteinswelten Leben zu existieren: auf der Erde.
Dass dies nicht ganz der Wahrheit entspricht, beweisen zahlreiche Aufnahmen vom Mars, die Pyramidenstrukturen und andere seltsamen Gebäude zeigen. Aktuell stehen vor der Schwelle der Wahrheit, die uns vielleicht schon im kommenden Jahr mächtig ins Staunen versetzen könnte.
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