
Hoch über der Erde umkreisen schmale Bänder schnellströmender Luft den Planeten in 9–16 km Höhe (nahe der Tropopause). Diese schnell fließenden Luftkorridore werden Jetstreams genannt. Sie lenken Sturmsysteme, beeinflussen Temperaturmuster und bestimmen die Flugrouten weltweit.
Das Verständnis ihrer Entstehung und Veränderung trägt wesentlich zum Verständnis vieler Wetterveränderungen bei, die wir am Boden erleben. Ihr Verhalten verbindet zudem das tägliche Wetter mit langfristigen Klimamustern und macht sie damit zu einem der einflussreichsten Merkmale der Atmosphäre.
Jetstreams sind Korridore starker Winde, die von West nach Ost um die Erde strömen. Sie entstehen dort, wo große Temperaturunterschiede zwischen Luftmassen auftreten, insbesondere dort, wo warme subtropische Luft auf kalte Polarluft trifft. Der starke Kontrast erzeugt horizontale Druckgradienten, die zusammen mit der Erdrotation eine schnelle Höhenströmung nahe der Tropopause bewirken.
In einer Höhe von etwa 9–16 km über dem Boden bewegt sich die Luft am schnellsten, da die Reibung gering und der Coriolis-Effekt stark ist. Typische Windgeschwindigkeiten erreichen im Sommer 90–120 km/h, können im Winter aber 400 km/h überschreiten. Die Luftströmung konzentriert sich auf einen nur wenige hundert Kilometer breiten und wenige Kilometer tiefen Bereich.
Stärke und Lage dieser Luftströmungen hängen von Jahreszeit und Breitengrad ab. Sie verlagern sich mit dem Sonnenstand nach Norden und Süden und bestimmen so, wo Stürme entstehen und Luftmassen aufeinandertreffen. Verändern sich die Jetstreams, verändern sich auch die globalen Zugbahnen von Stürmen.
Jetstreams sind keine durchgehenden Bänder. Sie erscheinen als Segmente und Bögen, die die beiden Hemisphären umkreisen und sich täglich mit den darunterliegenden Wettersystemen verändern. Diese wechselnden Muster erklären, warum eine ruhige Woche in einer Region mit schweren Stürmen anderswo zusammenfallen kann.
Die beiden großen Bewegungsbänder
Die wichtigsten Jetstreams sind der Polarjet und der Subtropenjet. Beide entstehen auf natürliche Weise durch die großräumige Erdzirkulation, wirken aber in unterschiedlichen Breitengraden und Höhen.
Der Polarjet verläuft in beiden Hemisphären in der Nähe des 50. bis 60. Breitengrades. Er trennt kalte Polarluft von wärmerer Luft der mittleren Breiten. In einer Höhe von etwa 9 bis 12 km über dem Boden verstärkt er sich im Winter, wenn der Temperaturunterschied zwischen Pol und Äquator am größten ist. Seine Position bestimmt maßgeblich die Zugbahn von Zyklonen und Kaltfronten der mittleren Breiten.
Der subtropische Jetstream bildet sich in der Nähe des 30. Breitengrades auf der polwärtigen Seite der Hadley-Zelle, üblicherweise in einer Höhe von 12–16 km. Er entsteht, wenn tropische Luftmassen, die polwärts strömen, ihren Drehimpuls beibehalten und ostwärts beschleunigt werden. Dieser Jetstream bildet oft die Grenze zwischen tropischen und außertropischen Wettersystemen.
Manchmal vereinen sich diese beiden Strömungen zu einer einzigen, stärkeren Strömung. In diesem Fall kann die kombinierte Strömung schwere Stürme in der Tiefe verstärken und so tiefe Tiefdruckgebiete erzeugen, die über Kontinente hinwegziehen. Diese Kopplung tritt im Winter häufig über dem Pazifik und Atlantik auf.
Das Vorhandensein oder Fehlen dieser Jetstreams bestimmt das regionale Wetter. Der polare Jetstream treibt die Zugbahnen der Stürme über Nordamerika und Europa an, während der subtropische Jetstream das Muster der Monsune und subtropischen Hochdruckgebiete prägt.
Der mäandernde Verlauf der Rossby-Wellen
Jetstreams verlaufen selten geradlinig. Ihr Verlauf beschreibt große, wellenartige Kurven, sogenannte Rossby-Wellen. Diese Wellen entstehen durch die mit dem Breitengrad variierende Erdrotation. Wenn Luft nach Norden oder Süden strömt, behält sie ihren Drehimpuls bei, wodurch sich abwechselnd Hoch- und Tiefpunkte bilden.
Hochdruckrücken bringen warmes, stabiles Wetter, da der Jetstream sich polwärts wölbt, während Tiefdruckgebiete kalte Luft äquatorwärts strömen lassen und Stürme auslösen. Stärke und Wellenlänge dieser Wellen bestimmen die Geschwindigkeit der Wettersysteme. Bei starker Verstärkung können sich die Wellen verlangsamen und Regionen in beständigen Wettermustern fixieren.
Ein stationärer Tiefdrucktrog kann wochenlangen Regen und Überschwemmungen verursachen, während ein blockierender Hochdruckrücken anhaltende Hitzewellen oder Dürreperioden zur Folge haben kann. Die extreme Hitze in Europa im Jahr 2022 und die Kälteeinbrüche in Nordamerika im Jahr 2021 entstanden beide unter solchen verstärkten Jetstream-Mustern.
Wissenschaftler untersuchen, ob die arktische Verstärkung diese Wellen größer und langsamer macht. Da sich die Arktis schneller erwärmt als die mittleren Breiten, schwächt sich der Temperaturkontrast ab, was möglicherweise die Geschwindigkeit des Jetstreams verringert und die Wellen länger anhalten lässt. Die Frage ist noch ungeklärt, doch das Ergebnis hat weitreichende Folgen für extreme Wetterereignisse.
Rossby-Wellen transportieren außerdem Energie und Impuls durch die Atmosphäre und verbinden so tropische und polare Regionen. Sie sind der Mechanismus, der es ermöglicht, dass Störungen in einer Hemisphäre die andere innerhalb weniger Tage beeinflussen.
Jetstreams und Wetterphänomene an der Oberfläche
Innerhalb jedes Jetstreams spielen schmale Zonen mit noch schnellerem Wind, sogenannte Jetstreaks, eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des darunterliegenden Wetters. Diese Streaks können Geschwindigkeiten von 300–400 km/h erreichen und sich über Hunderte von Kilometern entlang der Strömung erstrecken.
Luft strömt in diese Kerne hinein und bremst wieder ab, wodurch in der Höhe Divergenz- und Konvergenzzonen entstehen. Divergiert die Luft in der Höhe, muss Luft aus tieferen Schichten aufsteigen, um sie zu ersetzen. Dies fördert die Wolkenbildung und verstärkt Tiefdruckgebiete. Umgekehrt begünstigt Konvergenz in der Höhe absinkende Luftströmungen und die Entstehung von Hochdruckgebieten.
Meteorologen analysieren Jetstreams mithilfe von Karten auf der 250-hPa-Ebene, etwa 10–11 km über dem Meeresspiegel. Die Bereiche am linken Austritt und rechten Eintritt dieser Jetstreams sind besonders günstig für die Entstehung von Stürmen. Die Ausrichtung eines Jetstreams auf ein Bodentief kann seine Intensität erheblich verstärken.
Diese Dynamik erklärt, warum der Jetstream das Wettergeschehen am Boden so effektiv steuert. Fronten, Zyklonen und Gewittercluster folgen seiner Bahn und bewegen sich mit der schnellen Höhenströmung. Änderungen in der Geschwindigkeit oder Position des Jetstreams spiegeln sich schnell in den Wettermustern wider, die wir am Boden erleben.
Jetstream und Luftfahrtautobahnen
Die moderne Luftfahrt ist von der Lage des Jetstreams abhängig. Flugzeuge, die ostwärts über den Atlantik oder Pazifik fliegen, nutzen oft den Rückenwind des Jetstreams, um Zeit und Treibstoff zu sparen. Ein starker Jetstream im Winter kann einen Transatlantikflug um mehr als 30 Minuten verkürzen. Derselbe Jetstream, der westwärts weht, verlängert die Flugzeit und erhöht den Treibstoffverbrauch.
Flugplaner verfolgen täglich Windkarten in 250 hPa, um die Flugrouten anzupassen. Das Nordatlantische Organisierte Flugroutensystem (NAOTS) verschiebt die Ost- und Westrouten täglich entsprechend dem Standort des Flugzeugs. Der Effekt ist so bedeutend, dass die Treibstoffeinsparung Tausende von Kilogramm pro Flug betragen kann.
Der Jetstream birgt jedoch auch Risiken. Die Scherzonen ober- und unterhalb seines Kerns erzeugen Klarluftturbulenzen, die auf dem Radar unsichtbar sind und Flugzeuge abrupt durchschütteln können. Piloten verlassen sich auf Berichte und Satellitendaten, um diese Gebiete zu meiden. Turbulenzvorhersagen basieren auf der Stärke der vertikalen Windscherung nahe der Jetstreamachse.
Wetterlagen, die mit dem Flugverkehr zusammenhängen, können die Flugsicherheit durch Vereisung in höheren Luftschichten und rasche Druckänderungen beeinträchtigen. Aus diesem Grund überwacht die internationale Luftfahrtmeteorologie das Flugverhalten von Jets kontinuierlich mithilfe von Satellitenwinden, Radiosonden und Flugzeugbeobachtungen.
Neben dem kommerziellen Flugverkehr beeinflusst der Jetstream auch Höhenforschungsballons, Segelflugzeuge und die Ausbreitung von Vulkanasche. Seine genaue Vorhersage ist sowohl für den regulären Flugverkehr als auch für die Atmosphärenforschung unerlässlich.
Die globale Sicht bei 250 hPa
Meteorologische Dienste beobachten den Jetstream hauptsächlich auf der 250-hPa-Druckfläche, die in mittleren Breiten etwa 10–12 km (33.000–39.000 Fuß) Höhe entspricht. In dieser Höhe herrscht die maximale Windgeschwindigkeit, und dort befindet sich üblicherweise der Kern des Jetstreams.
Auf 250-hPa-Karten zeichnen Meteorologen Isotachen ein, Linien gleicher Windgeschwindigkeit, um Jetstreams und Windmaxima sichtbar zu machen. Divergenzmuster auf diesen Karten weisen auf Gebiete hin, die für die Entstehung von Stürmen günstig sind. Dieselben Karten werden von Luftfahrtmeteorologen verwendet, um Warnungen vor Turbulenzen und Flugrouten herauszugeben.
Satellitengestützte Windmessungen und Reanalysedaten ermöglichen heute eine nahezu Echtzeit-Überwachung der Jetstream-Aktivität weltweit. Tools wie das JetStream-Programm der NOAA und die Visualisierung Earth Nullschool stellen diese Winde über dem gesamten Planeten dar.
Eine typische Karte zeigt zwei starke Westwindbänder in jeder Hemisphäre: den polaren Jetstream nahe 60° nördlicher Breite und den subtropischen Jetstream nahe 30°.
Über dem Nordatlantik verläuft der polare Jetstream in einem Bogen Richtung Europa und teilt sich mitunter in mehrere Äste auf. Auf der Südhalbkugel umkreist ein kontinuierliches Band starker Westwinde die Antarktis und verursacht die anhaltenden „Brüllenden Vierziger“.
Solche Karten sind unerlässlich für die Vorhersage nicht nur einzelner Wettersysteme, sondern auch langfristiger Klimaveränderungen. Sie zeigen, wie die Energie der Atmosphäre verteilt ist und wie sich dieses Gleichgewicht im Laufe der Zeit verändert.
Klima, Zirkulation und die Zukunft der Jets
Jetstreams sind ein sichtbares Zeichen für das Energieungleichgewicht der Erde zwischen Äquator und Polen. Mit steigenden globalen Temperaturen verschiebt sich dieses Gleichgewicht, wodurch sich Stärke und Breitengrad der Jetstreams verändern.
Einige Klimamodelle deuten darauf hin, dass sich der subtropische Jetstream polwärts verlagern und der polare Jetstream abschwächen wird, wodurch sich die Zugbahnen von Stürmen in den mittleren Breiten verändern. Andere Modelle weisen darauf hin, dass verstärkte Temperaturgradienten in der oberen Troposphäre die Jetstreams saisonal verstärken könnten. Die Realität dürfte beide Effekte in unterschiedlichen Atmosphärenschichten umfassen.
Diese Veränderungen beeinflussen Niederschlagsmuster, landwirtschaftliche Produktivität und die Häufigkeit von Extremwetterereignissen. Eine anhaltende Nordverschiebung könnte einige Regionen feuchter und andere trockener machen. Die Auswirkungen sind bereits in veränderten Sturmbahnen über dem Nordatlantik und dem Nordpazifik zu beobachten.


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