Wien: Mysteriös – „Tektonische Aktivitäten“ unter Stephansdom

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(Titelbild: „Riesiger Bruch“: Eine Verwerfung des Wiener Beckens („Leopoldsdorfer Verwerfungssystem,“ LFS) durchquert die Stadt Wien)

Kommt ein Erdbeben in Wien? Die tektonischen Bewegungen unter der Wiener City sind intensiver als bisher angenommen, so eine überraschende Studie.

Was Geologen seit dem 19. Jahrhundert vermutet haben, ist jetzt wissenschaftlich belegt: Mitten unter Wien verläuft eine markante Störungszone, die geologisch überraschend aktiv ist.

Der sogenannte „Leopoldsdorfer Bruch“ zieht sich vom Süden über Favoriten und Simmering, passiert knapp östlich den Stephansdom im Stadtzentrum und setzt sich jenseits der Donau bis nach Bisamberg fort.

Ein Forschungsteam um Bernhard Salcher von der Uni Salzburg hat die Bruchlinie nun detailliert untersucht – mit Hilfe von Bohrkernen aus dem U-Bahn-Bau.

Ergebnis der Studie: Die Gesteinsschichten in den betroffenen Bereichen passen nicht zusammen. Die Ursache: Bewegungen in jüngster Zeit, obwohl sich die Zone seismisch ruhig verhält.

„Für mich ist Wien eine der spannendsten Städte Europas“, so Salcher zur APA. Die Stadt liege geologisch betrachtet an einem heiklen Knotenpunkt von Alpen, Wiener Becken und Donau.

Besonders die sogenannten Donauterrassen – wie Arsenal-, Prater- oder Laaerberg-Terrasse – sind stille Zeugen der Eiszeiten, die Spuren von Verschiebungen zeigen.

Dass der „Leopoldsdorfer Bruch“ aktiv ist, lässt sich an versetzten Terrassen deutlich erkennen. Diese wurden durch eiszeitliche Sedimente aufgebaut – eine Verwerfung kann also erst später passiert sein. Messbar war das bisher nicht: Seit mehr als 100 Jahren gab es in dem Bereich kein nachweisbares Erdbeben.

Doch die Erdbebengefahr bleibt theoretisch real. Eine verwandte Bruchlinie im Marchfeld könnte in der Vergangenheit Beben mit einer Stärke von bis zu 7 ausgelöst haben – das kommt zwar nur alle paar Jahrtausende vor, hätte aber enorme Auswirkungen auf die Zwei-Millionen-Stadt.

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