
Griechenland hat eine neue Erdbebenkarte auf Basis von Eurocode 8 vorgestellt. Sie erweitert die Risikozonen von drei auf fünf Stufen. Experten warnen zudem vor schwer vorhersehbaren starken Beben. Ein besonders neuralgischer Punkt ist der Golf von Korinth.
Griechenland hat auf Basis der europäischen Normenreihe für die Erdbebenbemessung und Konstruktion von Bauwerken „Eurocode 8“ eine neue „seismische Landkarte“ veröffentlicht.
Diese umfasst nunmehr fünf unterschiedliche Erdbebenzonen: Bisher waren es nur drei. Zusammengestellt haben diese Landkarte Experten der Aristoteles Universität Thessaloniki.
Ziel ist es, dass bei Erdbeben menschliches Leben geschützt wird und Sachschäden begrenzt bleiben. Auch wichtige Bauwerke zum Schutz der Bevölkerung müssen dieser Einstufung zufolge bei einem Erdbeben funktionstüchtig bleiben.
Mehr Zonen, neue Risikobewertung
Am sichersten vor Erdbeben in Griechenland ist es der neuen Erdbebenkarte zufolge in Thrakien im äußersten Nordosten des Landes (Farbe Grün). Rot gefärbt sind hingegen die Region um den Golf von Korinth, Teile der Westpeloponnes und die Ionischen Inseln.
Die Region Attika mit der Hauptstadt Athen ist in drei Zonen unterteilt. Den Experten zufolge könnten – laut der neuen Erdbebenkarte – bei einem starken Beben 80 % der Wohngebäude unbedeutende bis geringe Schäden erleiden, während etwa 4 % schwere bis sehr schwere Schäden aufweisen würden. Laut einer Volkszählung gab es im Jahr 2011 in ganz Griechenland rund 3,2 Millionen Wohngebäude.
Rein rechnerisch würden die geschätzten Gesamtkosten für Reparaturen auf etwa 108 Milliarden Euro kommen, was im Vergleich zur derzeit geltenden Regelung 20 Milliarden mehr sind.
Im Fokus der Erdbebenforschung
Unterdessen ereignete sich am Freitag (24.4.) in der Meeresregion südlich von Lasithi auf Kreta ein Erdbeben der Stärke 5,7 auf der Richterskala. Seither wurden mehrere Nachbeben gemessen. Anlässlich dieses Erdbebens hat der bekannte Seismologe Gerasimos Papadopoulos die Ansicht vertreten, dass ein Erdbeben im Golf von Korinth in den kommenden drei Jahren fällig sei.
Sein Kollege Efthymios Lekkas, der Präsident der Organisation für Erdbebenplanung und -schutz ist, erklärte hingegen, dass dieses Szenario zwar möglich, jedoch nicht zeitlich begrenzt sei. Er räumte ein, dass es sich in dieser Region um „eine der aktivsten tektonischen Strukturen der Welt handelt“.
Allerdings sei „die geologische Zeit nicht die menschliche Zeit“. Lekkas fügte hinzu, dass es im Korinthischen Golf zwar in der Vergangenheit „historische und zerstörerische“ Erdbeben gegeben habe, wie etwa jene bei Aigio und den Alkyoniden. Er fügte hinzu, dass die „Wiederholung solcher Phänomene keinen einfachen Jahrzehntezyklen folgt, die für die menschliche Erfahrung nachvollziehbar wären“.
Er fasste zusammen: „Die große Herausforderung besteht darin, dass eine starke Verwerfung über Hunderte von Jahren in einem Wartezustand verbleiben kann, bevor sie erneut aktiv wird.“


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