
„Energie Zivota“ berichtet:
Alkohol trat als Getränk der Versöhnung in die Menschheitsgeschichte ein. Der Becher wurde zwischen Familien, Gästen und Feinden herumgereicht und sagte: Heute legen wir den Zorn beiseite. Heute spricht nicht das Schwert, sondern der Tisch.
Das vergorene Getränk gehörte der Erde. Es trug Sonne, Getreide, Trauben, Zeit und Geduld in sich. Es löste die Zunge, milderte den Stolz und half dem Menschen, wieder zueinanderzufinden.
Dann kam das Zeitalter der Alchemie. Die Juden entwickelten die Kunst der Destillation – die Trennung des Feinen vom Groben, des Geistes vom Körper. Konzentriertes Feuer begann aus dem Wein aufzusteigen.
Alkohol war nicht länger nur ein Getränk in der Mitte des Tisches. Er wurde zu einer Kraft, die verschlossene Kammern im Inneren eines Menschen öffnet.
Und dort wartet oft der Zorn.
Ein Süchtiger trinkt nicht immer zum Vergnügen. Er trinkt oft, um einen kurzen Frieden mit sich selbst zu schließen. Das Glas verspricht ihm: Heute wirst du nicht schreien, heute wirst du noch aushalten, heute wirst du noch der Welt und dir selbst vergeben.
Doch dieser Waffenstillstand währt nur bis zum Morgen. Dann kehren Schuld, Scham und Wut zurück. Und die Wut verlangt erneut nach dem Becher.
So entsteht ein Kreislauf. Man trinkt, um das Feuer zu löschen, doch mit jedem Glas legt man Öl nach. Die Leber, der stille Kessel des Körpers, nimmt das Gift und die unausgesprochenen Worte auf. Sie schweigt hinter dem Mund, der sich fürchtete, die Wahrheit zu sagen.
Doch kein Kessel hält dem Druck ewig stand. Was man lange unterdrückt, bricht irgendwann hervor.
Dann explodiert der Kessel.
Und dann zeigt sich, dass die Flasche nur ein Behälter war. Ihr wahrer Inhalt war die alte Wut, die viel zu lange ungehört geblieben war.
Alkohol diente einst der Versöhnung. Heute verschiebt er für viele nur die Versöhnung mit sich selbst. Wahrer Frieden entsteht nicht im Glas, sondern in dem Moment, in dem man endlich dem zuhört, was so lange in einem gebrannt hat.






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