Der Klang von Italiens Supervulkan: Influencer filmt das Donnern, dem die Erdbeben folgen (Video)

Seit Monaten sorgen Schwarmbeben in den Phlegräischen Feldern im Süden Italiens für Angst vor dem Ausbruch des Supervulkans oder einem großen Erdbeben. Viele Menschen, die von den Erdstößen in Atem gehalten werden, berichten von einem Donnern, Knallen oder Brüllen, meist kurz bevor sie die Erschütterungen spürten.

Sind es akustische Halluzination oder sind die Geräusche real? Daten zufolge, die das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) gesammelt hat, geben rund 40 Prozent der Menschen an, ein Donnern vor einem Erdbeben gehört zu haben.

Influencer filmt das Donnern, dem die Erdbeben folgen

Einer, der Zeuge davon wurde, ist der TikToker Michelenapolitanoreal. Er hat in den vergangenen Monaten für seine Reels immer wieder den Solfatarakrater besucht, der als Hauptquelle der Erdbeben gilt.

Dabei hat der Neapolitaner sich auch immer wieder in Momenten gefilmt, in denen die Erde dort bebte – und es Donnergeräusche gab. Fans von ihm haben die Videos zusammengeschnitten und bei Facebook gepostet.

Michele reagiert in den Videos stets recht aufgeregt, wenn es donnert und bebt. Er war auch in dem Moment da, als es am 16. Oktober 2023 einen Erdstoß der Magnitude 3,6 gab. Berichte von Donnerhall bei Erdbeben gibt es seit der Antike. „Heute wissen wir“, erklärt das INGV in einem Artikel auf seiner Website, „dass die Geräusche genau durch den Durchgang seismischer Wellen verursacht werden.“

„Wie ein riesiger Lautsprecher“

INGV-Forscherin Patrizia Tosi erklärt: „Dieses Geräusch, das kurz vor oder gleichzeitig mit dem Ereignis zu hören ist, ist auf die Schwingungen des Bodens zurückzuführen, der sich unter uns wie ein riesiger Lautsprecher verhält.“

Durch ihn würden die Schwingungen des Bodens auf die Luft übertragen und die seismische Welle in eine Schallwelle umgewandelt. Die Übertragung werde durch Faktoren wie das Vorhandensein von Bergen in der Nähe erleichtert.

Ein Erbeben erzeugt laut Tosi verschiedene Schwingungswellen. „Die P-Wellen sind die schnellsten, die zuerst auf dem Weg vom Hypozentrum zum Beobachtungsort ankommen.“ Sie sind die Hauptursache für den Lärm, während die langsameren S-Wellen eher für die Erschütterungen verantwortlich sind.

Das Porzellan scheppert, die Türen knallen, die Lampen wackeln

Weiter heißt es: „Im Allgemeinen verursacht das Erdbeben auch bei schwachen Beben Lärm im Bereich des Epizentrums.“

Neben den Beschreibungen von Augenzeugen gibt es seltene, meist zufällige und beiläufige Aufnahmen, die belegen, dass Erdbeben Geräusche im hörbaren Frequenzbereich, meist im unteren Frequenzbereich, erzeugen können. Bei YouTube gibt es mehrere Aufnahmen dieser Art zu sehen.

Das INGV hat eine Homepage geschaltet, in der Menschen, die ein Erdbeben gehört oder gespürt haben, ihre Erfahrungen eintragen können. In Italien ergab eine Analyse von 77.000 solcher Berichte, dass der Prozentsatz der gehörten Geräusche mit der Stärke des Erdbebens zunimmt und mit der Entfernung zum Epizentrum abnimmt.

Zu den gestellten Fragen gehören auch Fragen zum Beobachtungspunkt des Bürgers, etwa ob er steht oder sitzt, ob bei den Tieren ungewöhnliches Verhalten aufgetreten ist, ob die Kronleuchter geschwungen haben oder das Porzellan vibriert hat.

Klappernde Türen werden schnell wieder ruhig, Hängelampen schwingen lange
Bei einem starken Erdbeben, das 2016 Mittelitalien erschütterte, ergab sich dem INGV das Bild, dass die Vibrationen von Türen und Fenstern recht schnell nachlassen, die Schwingungen der Hängelampen jedoch auch in größerer Entfernung vom Epizentrum bestehen blieben.

„Bei kleineren Erdbeben sind diese sogar in der Nähe des Epizentrums deutlich weniger betroffen“, berichtet Tosi.

„Wir haben auch herausgefunden, dass die Vibration von Porzellan bei Frequenzen um ein Hertz, also eine Schwingung pro Sekunde, auftritt, die Wahrnehmungsschwelle von Menschen außerhalb von Gebäuden bei etwa 5 Hertz liegt.“

Und: „Um das Rumpeln zu hören, muss man sich in der Nähe von Frequenzen über 10 Hertz aufhalten, während Kronleuchter und Flüssigkeiten mit Frequenzen um 0,1 Hertz schwingen – also alle 10 Sekunden eine Schwingung.“

Wegen der Erbeben- und Eruptionsgefahr werden die Pläne für einen Neubau des Stadions des SSC Neapel in der Roten Zone des Supervulkans kritisiert. Ein Forscher warnt davor, dass die Evakuierungspläne für die Gefahrenzone unzureichend sind.

Video:

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